1897 – 1992

Dora Labhart-Roeder

Als Tochter eines Unternehmers wuchs Dora Labhart-Roeder in Zürich auf. Sie machte vorerst das Handelsdiplom, studierte dann aber Rechtswissenschaften und doktorierte 1920. Bald fand sie eine Stelle in einem Fribourger Advokaturbüro. Um dort als Anwältin vor Gericht auftreten zu können, prozessierte sie gegen den Kanton Fribourg und erhielt in einem wegweisenden Bundesgerichtsentscheid 1923 Recht. Zwischen 1924 und 1927 folgten berufliche Tätigkeiten in Zürich. 1928 Heirat mit dem Romanshorner Juristen Max Labhart. Aufgrund des Bundesgerichtsurteils bekam sie auch im Thurgau die Zulassung als Anwältin und arbeitete mit ihrem Mann in der eigenen Kanzlei. In den 1930er-Jahren wurde sie Mutter von zwei Kindern. 1938 gründete sie den Thurgauischen Gemeinnützigen Frauenverein. Von 1953–1958 war sie ausserordentliche Jugendanwältin. In ihren beruflichen wie auch gemeinnützigen Engagements setzte sie sich besonders für juristische Frauenanliegen ein, amtete häufig als Verfasserin von Statuten, zum Beispiel für den neugegründeten Säuglingsfürsorgeverein des Bezirks Arbon, engagierte sich für die Entlassenenfürsorge, den Datenschutz für Adoptivkinder sowie die Beibehaltung des Bürgerrechts für Schweizerinnen, die einen Ausländer heirateten, hielt Referate und schrieb Fachartikel.
Nathalie Kolb Beck


Begründung Schulklasse Auswahl Ausstellung:
«Wir haben uns für Dora Labhart-Roeder entschieden, da sie viel für die Jugend leistete und als erste Frau im Kanton Thurgau den Beruf der Anwältin ausüben konnte. Die zweifache Mutter wusste ihren Willen durchzusetzen und hatte mit ihrem Engagement für die rechtliche Besserstellung der Frau grossen Einfluss auf ihr Umfeld. Wir finden es bewundernswert, wie weit diese verheiratete Pionierin ihrer Zeit voraus war und mit welchem Einsatz sie gemeinnützige Vereine gründete und für Frauenrechte eintrat. Bemerkenswert ist auch, wie sie sich dafür einsetzte, dass Schweizerinnen, die einen Ausländer heiraten, ihr Bürgerrecht behalten dürfen. Heute ist eine multikulturelle Schweiz normal. Denn was zählt und unsere Gesellschaft so einzigartig macht, sind das Zusammenleben und der Zusammenhalt.»
Klasse 2fb, Kantonsschule Frauenfeld. Lehrperson: Sonja Lázaro


Weitere Informationen:
Nachlass im ThurgauerFrauenArchiv TFA ZA 2016-08 (unerschlossen)
Büchi, Eva: "Fräulein Fürsprech": Dr. iur. Dora Roeder, in: bodenständig und grenzenlos. 200 Jahre Thurgauer Frauengeschichte(n), S. 197–199 (u. a.). https://www.higgs.ch/fraeulein...

Dora Labhart Roeder St ATG TFA 2016 08

Thurgauer Frauenarchiv, TFA ZA 2016-08

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